Seelenimpuls

Die Fastenzeit – Und auf was verzichtest du so?

Mit dem Aschermittwoch hat die Fastenzeit begonnen. Das ist die Zeit des Jahres, in der Menschen mehr oder weniger freiwillig auf alles Mögliche (und Unmögliche) verzichten. Damit das ja niemand vergisst, wird seit Tagen auf allen möglichen Plattformen, in der Zeitung, im Radio und sogar im Freundeskreis daran erinnert. Ich hatte in diesem Jahr also keine Chance, das Thema Fasten zu verpassen. Genauso wenig konnte ich es lassen, mir meine Gedanken dazu zu machen.

Falls du dich für die geschichtlichen Hintergründe der Fastenzeit interessierst (oder du etwas für deine Allgemeinbildung tun möchtest), empfehle ich dir, den Begriff im Internet nachzulesen. Es gibt viele informative Seiten, die sich mit diesem Thema beschäftigen und auch die christlichen Hintergründe und Vorgaben beleuchten. Das erwähne ich an dieser Stelle nur, falls du eine geschichtliche Abhandlung erwartet hast. Diese gibt es hier nämlich nicht.


Und auf was verzichte ich jetzt?

Die letzten Tage waren nicht einfach für mich. Je näher die Fastenzeit rückte, desto nachdenklicher wurde ich. Ist es ein neuer Trend, ein wiederentdecktes uraltes Ritual, werden die Menschen wieder offener, sich auf das Wesentliche zu besinnen oder wurde in den letzten Jahren auch schon so fleißig gefastet und ich habe es lediglich nicht mitbekommen? So genau weiß ich es nicht, aber ich habe in den letzten Tagen kaum jemanden getroffen, der mir nicht sofort erzählt hat, auf was er die nächsten 40 Tage verzichten möchte.


Fastenzeit Glücksfinderin
Fastenzeit – auf was verzichtest du?


Also begann ich mir Gedanken zu machen, ob ich auch faste und falls ja, auf was ich mehr als 6 Wochen verzichten möchte. Mir sind einige Punkte eingefallen:


  • vor 6 Uhr morgens aufstehen müssen
  • streitende Kinder
  • Selbstvorwürfe, weil sich an der Hüfte doch zwei oder drei Kilos zu viel angesammelt haben
  • anstrengende Kundschaft auf der Arbeit
  • einen Hund, der mitten in der Nacht spuckt, weil er heimlich der Katze das Futter weggefressen hat (das er nicht verträgt!)
  • Dauerregen und Sturmtiefs
  • Energieräuber, die mit ihrer schlechten Laune ihren Mitmenschen das Leben schwer machen, ständig jammern oder alles schwarz malen
  • das schlechte Gewissen, weil ich es wieder nicht geschafft habe, einen unangenehmen Anruf zu erledigen
  • selbstgemachten Stress, weil ich alles gleichzeitig erledigen möchte und das natürlich nicht klappt
  • den Tod von Tieren in Kauf nehmen, nur damit ich mehrmals die Woche Wurst oder Fleisch essen kann
  • Ausreden (eigene und die von anderen)
  • den Wunsch nach Perfektion
  • Unachtsamkeit gegenüber meinen Mitmenschen und mir selbst
  • Verpassen von Glücksmomenten


Und während ich meine Liste immer wieder ergänze, frage ich mich: Warum sollte ich nur einmal im Jahr für 40 Tage fasten? Ok, 40 Tage sind 40 Tage! Das ist in etwa die Zeit, die ein Mensch braucht, um seine Gewohnheiten zu ändern. Ich möchte das auch gar nicht schlecht reden.


Doch es bleibt die Frage: Was wäre, wenn ich dauerhaft fasten würde?


Was würde geschehen, wenn ich ab heute für den Rest meines Lebens darauf achten würde, dass ich mich von den drei Kilos zu viel nicht quälen lasse? Wenn ich täglich darauf achten würde, dass mir Energieräuber nicht meine Lebensfreude stehlen? Wenn ich bis zum Rest meines Lebens bewusst nach den großen und kleinen Glücksmomenten suchen würde?

Was würde das mit mir machen?

Was würde ein dauerhaftest Fasten in deinem Leben verändern?


Herzliche Grüße von

Tanja

8 Comments

  • Jeanne

    Wow, liebe Tanja,
    ein seeehrt interessanter Denkanstoß! Ich persönlich habe seit ca 20 Jahren jedes Jahr gefastet. Also das richtige Fasten mit vollem Programm. Von daher kann ich nur den Kopf darüber schütteln, zu welchem „Hype“ das ganze inzwischen ausgeartet ist. Man fastet weil es „hip“ ist und nicht, aus dem ursprünglichen Grund.
    Und während ich deinen Text durchlas, dachte ich mir so: „Ja, was wenn wir dauerhaft verzichten. Was macht das mit uns?“ Und weißt du was? Eben DURCH dieses jährliche Fasten ernährten wir uns immer gesünder, bis wir sogar auf das Fleisch verzichteten. Und eben durch diese Lebensweise, habe ich zum ersten Mal das Gefühl, es dieses Jahr nicht zu brauchen. Ich werde vielleicht in Bezug auf Kaffee und Süßigkeiten etwas kürzer treten, aber das war´s schon. Und wie bereits oben erwähnt, haben wir durch die fleischfreie Zeit, ständig unser Repertoire um vegetarische und vor allem viel gesündere Rezepter erweitert, bis wir dann endgültig auf tote Tiere verzichten konnten, ohne dass es uns schwer fiel.
    Aber bisher habe ich es noch nie so gesehen. Von daher ein riesengroßes Dankeschön für deinen Post aus diesem Blickwinkel.
    Herzliche Grüße

    Jeanne
    P. S. Über deine Liste musste ich schmunzeln. So eine müsste man aber wirklich ganzjährig einführen!! 😉

    • Die Glücksfinderin

      Liebe Jeanne,

      danke dir für deinen umfangreichen Kommentar.
      Ich freue mich, dass ich dich mit einem anderen Blickwinkel zum Nachdenken anregen konnte.
      Es freut mich, dass ihr mit dem Fasten über die Jahre zu einem gesünderen Lebensstil gekommen seid. Das ihr dadurch schließlich zum Vegetarier geworden seid, ist ein sehr wertvolles Ergebnis, das euch die Kontinuität und der Wille bescherrt haben. Super!

      Ich würde mir wünschen, dass noch viel mehr Menschen dieses Bewusstsein bekommen und aus den positiven Gewohnheiten des Fastens eine dauerhafte Gewohnheit wird.

      Ganz liebe Grüße an dich von
      Tanja

  • Ursula

    Eine tolle Fastenliste Tanja die ist voll nach meinem Geschmack, nur dieses mal nicht um 6 aufstehen wird wohl bei nix bei mir…. aber die anderen Dinge die kommen auf meine Liste.
    Fasten hab ich mir vorgenommen weniger Plastik, denn im Alltag geht das mir etwas unter, aber 40 Tage so bewusst da bleibt sicher dann eine Gewohnheit hängen. Und ja 16/8 Intervallfasten hab ich angefangen. Zwei Tage haben geklappt, zwar mit noch falschen Lebensmitteln (will noch auf Weizen verzichten und Butter) aber mir ist jetzt erstmal der Ablauf und die Zeit einhalten wichtig.

    Genossen hab ich heute den Schnee, es hat geschneit ohne Ende. Und heutzutage wird ja aus allem ein Hype gemacht. Schade.

    Ich werde berichten. Liebe Grüße Ursula

    • Die Glücksfinderin

      Liebe Ursula,

      das Intervallfasten interessiert mich auch sehr. In das Thema habe ich mich schon ein wenig eingelesen. Die Umsetzung ist aber noch ein wenig schwer, da wir durch den Umzug und die fehlende Küche oft sehr unregelmäßig gegessen haben. Doch nun kehrt ja langsam Ruhe ein und es wäre ein guter Anlaß, um sich noch einmal näher mit dem Thema einzlesen.
      Schön, dass es bei dir bislang so gut klappt! Ich finde es gut, dass du es Stück für Stück angehst und erst einmal auf die Einhaltung der Uhrzeiten achtest. Die Lebensmittel kannst du danach bestimmt umso leichter umstellen.

      Und die Reduzierung von Plastik ist sowieso ein guter Vorsatz!
      Ich drücke dir fest die Daumen, dass für dich beides zu einer festen Gewohnheit wird!

      Liebe Grüße von
      Tanja

  • Mandy

    Liebe Tanja,
    Jeanne hat mich auf Deinen Blog aufmerklsam gemacht, über das Fasten kamen wir dazu und nun musste ich doch gleich mal bei Dir gucken.
    Hier im Norden, an der Ostsee ist das mit der Fastenzeit ab Aschermittwoch kein Thema, noch nie, genau wie all die anderen Bräuche rund um den Karneval bzw. den Karneval gibt es hier einfach nicht.
    Was aber nicht bedeutet, dass Fasten uns nicht gut tun würde, denn um die Mitte legen wir über die Winter gemeinschaftlich immer etwas zu… ;).
    Ich habe mich mit dem Intervallfasten angefreundet und praktiziere (außer im Urlaub und anderen Außnahmen) das seit gut einem Jahr mehr oder weniger erfolgreich ;). Das hat auch zur Folge, dass ich nicht nur irgendetwas esse um zu essen, oder aus langer Weile, sondern wenn dann muss es etwas schönes, schmackhaftes sein und nur von 9.00 – 17.00h. Ich habe mich da prima eingefunden und kann mit dieser Fastenvariante gut um und auch einige Freundinnen handhaben das seit einiger Zeit so. Man nimmt dabei nicht sehr viel ab, aber man nimmt auf jeden Fall nicht zu ;). UND die tägliche Freude aufs Essen ist enorm :).
    Nun stöbere ich gleich noch ein bisschen bei Dir.
    Hab ein schönes Wochenende. Liebe Grüße von der Insel, Mandy

  • Die Glücksfinderin

    Hallo Mandy,

    schön, dass du bei mir gelandet bist. 🙂

    Das Intervallfasten hört sich sehr interessant an. Ich habe davon auch schon gehört, mich ein wenig eingelesen und es auch eine Weile ausprobiert, aber der Wille war noch nicht stark genug, so dass ich nicht lange praktiziert habe.
    Was du aber schreibst, macht mich wieder neugiertig. Das bewusste Essen ist auf jeden Fall etwas, was auch anstrebe. Momentan übe ich mich darin, langsamer zu essen und wahrzunehmen, was ich da überhaupt gerade zu mir nehme.
    Ich kann mir gut vorstellen, dass du durch diese freiwillige zeitliche Begrenzung deine Nahrungsmittel viel gezielter auswählst. Sehr schön!

    Ich wünsche dir und deinen Freundinnen, dass ihr das Intervallfasten sehr schnell zu einer selbstverständlichen Gewohnheit werden lasst.

    Ganz liebe Grüße von
    Tanja

    Ps: Und jetzt gehe ich bei dir stöbern!

  • Andrea/ die Zitronenfalterin

    Intervallfasten ist eine tolle Sache. Das habe ich letztes Jahr auch für ein paar Monate durchgezogen. Mittlerweile hat es sich bei 14 Stunden eingependelt. Das tut mir gut.
    Zucker und Fleisch kann ich nicht mehr vom Speiseplan streichen, dort stehen sie schon lange gar nicht mehr. Vielleicht verzichte ich mal auf meine Ausreden, etwas gerade nicht tun zu können, und packe gleich an.
    Das wäre doch auch ein gutes Fasten, wenn ich mir so deine Liste anschaue.
    Liebe Grüße
    Andrea

  • FrauHummel

    Liebe Tanja,
    gefastet habe ich noch nie- und ich kann es mir auch nicht vorstellen. Einerseits, weil ich nicht religiös bin und die Fastenzeit für mich alleine schon deshalb kein Thema ist. Andererseits reagiert mein Organismus mit Zittern und Übelkeit, wenn er nicht regelmässig was zwischen die Zähne bekommt- wahrscheinlich fährt mein Glucosespiegel dann Achterbahn, das geht soweit, dass ich beinahe zusammenklappe. Und da ich ja auch für die täglich 3 Mal anfallende Stallarbeit etc. viel Energie brauche, kommt Fasten für mich nicht in Frage.
    Aber wenn man so will, dann faste ich das ganze Jahr über. Einfach auf anderen Gebieten des täglichen Daseins: Ich zügle mich sehr in meinem Konsum und allem, was damit zusammenhängt. Dadurch spare ich Zeit, eigene Energie, Geld und vor allem Ressourcen. Und das ist ja nun auch nicht zu verachten, nichtwahr? 😊
    Auf deiner Fastenliste allerdings, da finde ich viele Punkte, die auch auf meiner stehen könnten. Ganz besonders gerne würde ich auf das Aufstehen vor 5 (!) Uhr verzichten. Aber handkehrum beschert mir das einen entspannten Start in den Tag, und die Arbeit im ruhigen Stall, das Zusammensein mit meinen felligen Freunden und die Tatsache, dass sie mich schon früh am Morgen zum Lachen bringen- das macht alles wieder wett!
    Hab einen schönen Sonntag noch (hier gehts gleich los zum Reiten bei schönstem Sonnenschein!)
    ganz ❤️liche Grüsse!

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