Wilde Seele

Was unser Leben mit den vier Jahreszeiten gemeinsam hat

Als ich neulich durch den Wald lief, kam mir der Gedanke, dass unser Leben sehr gut mit den vier Jahreszeiten vergleichbar ist.

Hast du schon einmal bemerkt, dass die Kindheit bei uns Menschen viele Ähnlichkeiten mit dem Frühling in der Natur hat? Auch die anderen Lebensphasen lassen sich in den Jahreszeiten wiederfinden.

Frühling, Sommer, Herbst und Winter – alle Phasen durchlaufen wir in unserem Leben. Du bist skeptisch? Dann lies selbst:

 

Frühling – die Kindheit und Jugend

 

Im Frühling beginnt das Leben. Noch ist es draußen kalt, doch die ersten Grashalme strecken sich bereits zaghaft der Sonne entgegen, die immer öfter und wärmer scheint. An den Bäumen erscheinen zarte Triebe. Die Blumen erwachen zum Leben. Die Vögel kehren zurück und vielleicht ist auch schon der erste Schmetterling oder die erste Hummel zu sehen. Noch erscheint das neue Leben verletzlich und zurückhaltend. Doch es ist da und wird von Tag zu Tag stärker.

So wie im Frühling etwas Neues beginnt, fängt ein kleines Kind an, das Leben zu entdecken. Niemand weiß, was aus dem Menschen einmal wird. Sein Charakter, seine Träume und seine Ziele, all das darf sich erst entwickeln.

Man kann nur einen Hauch davon erkennen, eher erahnen. Und doch pulsiert das pure Leben in ihm. Mit offenen Augen entdeckt das Kind die Welt, fällt hin, holt sich Schrammen und steht wieder auf, um es noch einmal zu versuchen. Es macht Stück für Stück neue Erfahrungen, wächst und gedeiht.

 

 

Sommer – endlich erwachsen und mitten im Leben

 

Was bedeutet der Sommer für dich?

Für mich ist es die Zeit der Fülle und Lebendigkeit.

Die Bäume sind grün. Täglich entdeckt man neue Blumen, eine schöner als die andere. Die Früchte im Garten werden reif. Es gibt Salat, Beeren, Gemüse und Obst in unglaublich leckeren Varianten. 

Die Tage sind lang, hell und warm. Es ist Zeit um Urlaub zu machen, am See zu liegen, Sport im Freien zu treiben, sich mit Freunden zu treffen und lange Abende im Freien zu verbringen.

So ist es auch mit unserem Leben, wenn Kindheit und Jugend hinter uns liegen. Wir sind unternehmungslustig, strotzen nur so vor Energie und sind bereit, das Leben in all seinen Facetten zu entdecken. Wir gründen eine Familie, erleben berufliche Erfolge, bauen vielleicht ein Haus und entdecken die Welt.

Und sollte es einmal regnen oder stürmen, so wissen wir, dass es nicht lange so bleiben wird. Die Welt gehört uns! Wir sind unsterblich!

 

 

Herbst – Zeit der Fülle und Reife

 

Noch sind die Tage lang und hell, doch wir spüren bereits den Wind der Veränderung. Es gibt warme Tage, die vielleicht noch einmal ins Schwimmbad einladen, aber es gibt auch graue und stürmische Tage.

Die Blätter verfärben sich. Am Abend wird es früher dunkel und es wird merklich kühler. Wir fangen an, uns auf den Winter vorzubereiten, überprüfen und ergänzen unsere warme Kleidung, schalten die Heizung an, entzünden das erste Feuer im Kamin.

Es ist an der Zeit die letzten Früchte aus dem Garten zu ernten. Monate der Fülle neigt sich dem Ende entgegen. Jetzt sind die Wochen gekommen, in denen wir langsam ruhiger werden, mehr Zeit daheim verbringen, auch mal auf dem Sofa ein Buch lesen und den ersten heißen Tee trinken.

So wird auch das Leben im Alter ruhiger. Der Körper ist nicht mehr ganz so belastbar. An manchen Tagen haben wir  vielleicht Schmerzen oder fühlen uns nicht wohl. An anderen Tagen geht es uns dagegen hervorragend. Wir nehmen an Ausflügen teil, schauen auf unser Leben und entdecken es vielleicht noch einmal ganz neu. Wir genießen das Leben mit der Familie, vielleicht auch die ersten Enkelkinder.

Ohne Frage, wir stehen fest im Leben und wissen, wer wir sind. Im Laufe der Jahre haben wir viele Erfahrungen gesammelt und können nun die Früchte unserer Taten ernten. Es ist die Zeit der Reife.

 

 

Winter – Ruhe und Einkehr im Alter

 

Der Winter ist geprägt von Ruhe und Besinnung. Wir halten uns überwiegend im Haus auf, machen es uns gemütlich und suchen die Wärme. Auch im Winter scheint die Sonne und wärmt die Seele, aber kaum den Körper. Es schneit, es gefriert. Die Natur ruht. Es hat den Anschein als wäre sie tot und würde nie wieder zum Leben erwachen.

Und doch, auch wenn wir es noch nicht sehen können, so bilden sich bereits wieder die ersten neuen Triebe, die neues Leben versprechen. Ähnlich, wie die Familie, die größer wird und unser Leben weiterträgt, auch wenn wir selbst unsere sterbliche Hülle bereits verlassen haben.

Es gibt kein Ende, die Jahreszeiten und das Leben sind ein Kreislauf, der immer wieder von vorne beginnt.