Kunterbuntes Glück,  Selbstfindung

Wie Corona mein Leben verändert – ein Wechselbad der Gefühle

„Durch Corona hat sich mein Leben verändert. Es kommt mir vor, als hätte es sich um 180 Grad gedreht. Alles steht im wahrsten Sinne des Wortes Kopf. Viele Bereiche in meinem Leben müssen neu geordnet werden. Einiges davon sortiert sich von alleine, anderes wird noch Zeit brauchen, bis es wieder rund läuft.“ Mit diesen Worten wollte ich meinen neuen Beitrag begonnen. Doch nachdem ich eine Nacht darüber geschlafen habe, merke ich, dass es nicht das ist, worüber ich wirklich schreiben will. Was ich mit dir teilen möchte, ist in Wahrheit etwas ganz anderes.


Ursprünglich wollte ich in diesem Text darüber schreiben, wie genial ich Homeschooling finde. Darüber, dass hier zwar zwischenzeitlich auch die Nerven blank liegen, ich es aber sehr genieße, dass wir mit einem Schlag vom Alltagsstress befreit sind. Kein frühes Aufstehen mehr, keinen Stress mehr, bis alle rechtzeitig, sauber und mit Frühstück im Bauch auf der Arbeit oder Schule angekommen sind.

Ich wollte darüber schreiben, wie glücklich ich bin, dass ich einen Großteil meiner Arbeit im Home-Office erledigen kann. Welche positiven Gefühle die Einschränkungen durch Corona in mir wecken. Wie froh ich bin, dass wir plötzlich ganz viel Zeit in der Natur verbringen können. Und ich wollte dir erzählen, wie schön es ist, den ganzen Tag als Familie zusammen zu sein, gemeinsam kreativ zu sein und Gespräche zu führen, ohne dass schon wieder jemand auf dem Sprung zu einer Verabredung ist.

Über all diese Punkte wollte ich schreiben, bis ich merkte, dass das nicht die Botschaft ist, die ich losschicken möchte. Es fühlt sich falsch an, über meine eigene kleine heile Welt zu schreiben, während ich all diese Bilder im Kopf habe, die das krasse Gegenteil davon sind und mich in Zeiten von Corona in ein Wechselbad der Gefühle werfen.


Corona Wechselbad der Gefühle


Corona – ein Wechselbad der Gefühle

Es sind Bilder von Krankenpflegern und Ärzten, die vor Erschöpfung weinend auf den Gängen im Krankenhaus sitzen. Es sind Bilder von Supermarktkräften, die jeden Tag hinter Plexiglasscheiben an der Kasse sitzen, um wenigstens ein bisschen vor einer Ansteckung geschützt zu sein. All diese Menschen sind von der Pandemie besonders betroffen. Sie müssen sich täglich einem enormen Ansteckungsrisiko aussetzen und würden vermutlich nur zu gerne der Aufforderung „Bleib Zuhause“ folgen. Sie können es aber nicht.

Es sind Gespräche, die mich traurig machen, wie das mit der Freundin, die sich große Sorgen um die Oma macht, weil sie durch ihr Alter und ihre Vorerkrankungen eine Infektion durch Corona womöglich nicht überleben würde.

Es sind Beobachtungen, die mich wütend machen, z.B. wenn ich sehe, dass Menschen im Supermarkt ohne mit der Wimper zu zucken „wild in den Raum husten“ – in der Obst- und Gemüseabteilung, wo unverpackte Lebensmittel angeboten werden! Ich werde auch wütend, wenn ich sehe, dass auf Onlineplattformen ein Päckchen Trockenhefe für über 5 (!) Euro angeboten wird, während das Fach im Supermarktregal seit Tagen leer ist.

Es sind Fragen, die mir Angst machen. Zum Beispiel diese hier: Was passiert, wenn das Coronavirus die Flüchtlingsunterkünfte auf den griechischen Inseln erreicht, wo es jetzt schon kein frisches Trinkwasser, keine festen Behausungen und kaum/keine ärztliche Versorgung gibt?


All das war schon immer da, aber…

Sicher, all das gab es auch schon vor Corona. Ärzte und Pfleger in Krankenhäuser und Altenheimen arbeiten schon lange am Limit. Menschen waren schon immer rücksichtslos und egoistisch, und alte Menschen haben von Natur aus ein höheres Risiko zu sterben. Der Alltag eines Obdachlosen auf der Straße ist niemals ein Zuckerschlecken gewesen und darüber, dass ein Leben in einer improvisierten Flüchtlingsunterkunft ein unvorstellbarer Zustand ist, brauchen wir hoffentlich nicht zu diskutieren (falls doch: füttere deine Suchmaschine mit den Begriffen Flüchtlinge, Griechenland und Türkei…).

Ich habe jedoch das Gefühl, dass all diese Bilder mit einem Mal deutlicher in mein Leben treten. Vielleicht ist dafür genau das verantwortlich, worüber ich ursprünglich schreiben wollte: mein Leben ist verlangsamt worden. Plötzlich habe ich Zeit für all die Dinge, die sonst vom Alltagstrubel überdeckt werden.

Und während ich hier sitze, voller Dankbarkeit für meine privilegierte Situation und voller Bewunderung, Respekt, Angst, Hilflosigkeit, Unsicherheit und Sorge für die Geschehnisse auf dieser Welt, spüre ich, wie eine Frage in mir aufkeimt.


Was kann ich machen, um die Welt ein klein wenig zu verbessern?


Ich werde die Frage in mir wachsen lassen, sie mit Gedanken, Gefühlen und Ideen nähren und gespannt darauf sein, was sie hervorbringen wird.


Welche Gefühle weckt Corona in dir?


Herzliche Grüße an dich und bleibe bitte gesund!

Tanja


Ps: Kennst du schon meinen ironischen Beitrag „8 Tipps, wie du garantiert unglücklich wirst?“

8 Comments

  • Sheena

    Liebe Tanja,

    Ohja Corona weckt auch eher Angst in mir, wenn ich die Bilder aus den Krankenhäusern sehe mit Menschen die beatmet werden müssen, wird mir ganz anders, das triggert extrem. Oder auch die Todeszahlen von all den Menschen die bis jetzt daran gestorben sind.
    Aber Corona löst auch ein wenig Wut in mir aus über den Egoismus der Menschen, die alles weghamstern, sich an keine Regeln halten und meinen ihnen gehöre die Welt.

    Liebe Grüße Sheena

    • Die Glücksfinderin

      Liebe Sheena,

      ich verstehen, dass dir diese Bilder Angst machen und du wütend über die rücksichtslosen Menshcen bist. Mir geht es da nicht anders. Ich übe mich jetzt darin, auf das Positive zu schauen: da sind junge Leute, die für die älteren Nachbarn einkaufen, da sind Menschen, die sich trotz Angst freundlich zulächeln, da ist der Mann, der einen an der Supermarktkasse verlässt, die Frau, welche sich über den lebensfrohen Hund beim Gassigehen freut.
      Da hängen bunte Regenbogenbilder an den Fenstern, mit denen Kindern anderen Kindern eine Freude machen möchten. Da spielen Geschwister zusammen, die vorher durch den Alltag wenig Zeit miteinander hatten. Da kommen wir selbst plötzlich zur Ruhe und dürfen uns mit den verschiedensten Themen auseinandersetzen, für die vorher zu wenig Zeit war.

      Ich wünsche dir, dass du in dieser Woche ganz viele Sonnenstunden hast.
      Liebe Grüße von
      Tanja

  • FrauHummel

    Aber du TUST doch schon ganz viel, um die Welt ein klein wenig besser zu machen! Du freust dich über das, was du hast, bist zufrieden damit und stellst keine riesigen Erwartungen ans Leben, die es sowieso nicht erfüllen kann. Du siehst das Gute im Leben und gewinnst auch der jetzigen Situation etwas Schönes ab. Das ist legitim und ausserdem überlebensnotwendig- das ist eine besondere Fähigkeit in unserer Wahrnehmung. Aber du verlierst dabei das grosse Ganze nicht aus den Augen, bleibst empathisch, herzlich und anteilnehmungsfähig; du stellst dich nicht über andere und es ist dir wichtig, wie es deinen Mitmenschen geht.
    Stell dir vor, so würden ALLe handeln auf diesem Planeten; stell dir vor, was DAS bewirken würde! Diese Erde wäre ein wahres Paradies.
    Natürlich mache auch ich mir so meine Gedanken jetzt, und gerade mein Job macht es mir dabei tatsächlich auch nicht so einfach. Trotzdem will ich zuversichtlich, fröhlich und positiv bleiben, ich WILL mich einfach nicht runterziehen lassen. Denn nur so komme ich selber auch gut über die Runden und (hoffentlich!) unbeschadet aus dieser Zeit raus.

    Corona wird mit uns allen was machen, wir können uns dem nicht entziehen. Und ich setze meine Hoffnung darin, dass auch viel Gutes dabei rauskommt. Vielleicht ist Corona der Anlass dafür, dass sich viele mal hinterfragen- das was sie tun und das was sie sind, und welche Proritäten sie setzen. Ich denke, für manche wird Corona der „Startschuss“ sein, um Änderungen anzugehen. Ich wünsche es mir sehr!

    Hab einen wunderschönen Sonntag, ganz herzliche Grüsse!

    • Die Glücksfinderin

      Hallo Frau Hummel,

      vielen Dank für deine lieben Worte, die wirklich gut tun. Sie bewegen etwas in mir und regen mich nochmals zum Umdenken an.
      Ja, ich unternehme schon vieles, um die Welt ein kleines bisschen besser zu machen. Manchmal ist es schwer, das selbst zu sehen. 😉

      Ich mir habe in den letzten Tagen viele Gedanken dazu gemacht und mir ist bewusst geworden, dass es die kleinen Dinge sind, die viel bewegen: ein freundliches Lächeln, wenn man andere Menschen auf der Straße trifft, ein paar nette Worte, ein aufmunternder Blick – auch bei all den Menschen, die einem vielleicht unsympathisch vorkommen (genau die brauchen es oft besonders).

      Ich wünsche mit dir! Es wäre schön, wenn sich wieder mehr Menschen auf das Wesentliche konzentrieren würden. Wenn sie sich wieder mehr Gedanken über ihr Handeln und ihren Fokus machen würde. Corona ist eine Krise, aber gleichzeitig auch eine Chance. Hoffen wir das Beste!

      Liebe Grüße an dich von
      Tanja

  • Ursula

    Liebe Tanja,

    ich stimme Dir voll und ganz zu. Was ich für mich positiv empfinde ist, dass ich einfach nur sein kann. Mein Leben ist auf wesentliche Dinge beschränkt. Morgens ins Büro mit viel Abstand zu Kollegen, kochen, mit der Familie reden und höchstens mal einkaufen und im Wald laufe.
    Es tut mir selbst gut die Ruhe von außen. Alles Hektische ist weg. Aber und ab und an wenn ich doch mal zu viel Nachrichten lese oder höre …..
    Was mir schwer fällt ich muss einen Spagat machen der mir schwer fällt. Meine Mutter 80 Jahre eigentlich fit und selbständig… unser Verhältnis ist nicht gerade das beste schon immer…. Da tu ich mir schwer zwischen moralischer Verantwortung und eigentlich will ich ja gar nich… Ich kaufe ihr ein wenn sie das möchte und sehe aber auch dass sie doch selbst sich in Bewegung setzt und zum Supermarkt läuft. Ich sage nichts. Sie muss es selbst wissen was sie tut. Da wir gegenüber wohnen und ihr Grundstück sehr weitläufig ist können wir uns auch unterhalten. Mein Sohn mäht ihr den Rasen bzw. macht die grobe Arbeit während sie auf dem Balkon ist.

    Ach ja und ich bin sowas von wütend auf Ebay, da verhökern Leute ihre Trockenhefe zu Preisen…. was soll das warum greift Ebay da nicht ein? Und auf die Menschen die das tun. Ich finde das verwerflich, aber das sind die gleichen Sorten von Menschen die hamstern oder die von den Schwarzmärkten nach dem 2. Weltkrieg und genau diese sind es die Ungemach bringe.

    LG
    Ursula

    • Die Glücksfinderin

      Liebe Ursula,

      das Virus macht vielen Menschen Angst und weckt leider an dem ein oder anderen auch weniger schöne Seiten (Stichwort Trockenhefe). Das wird leider immer so sein, denn ohne all die negativen Seiten kann es auch die positiven Aspekte nicht geben. Wir entscheiden aber in jeder Sekunde neu, was wir aus der Situation machen und wie wir uns verhalten.

      Deine Mutter wirst du nicht mehr ändern können. Die Hoffnung darfst du getrost aufgeben. 😉
      Ich bin mir aber sicher, dass es wertvoll ist, dass ihr weiterhin an ihrer Seite seid, für sie einkauft und beim Rasenmähen helft. Vielleicht kannst du auch noch einmal das Gespräch zu ihr suchen und ihr erklären, wie es dir ergeht?

      Ich wünsche dir von Herzen eine schöne Woche. Pass gut auf dich auf und vergiss die Sonne nicht!

      Liebe Grüße von
      Tanja

  • Tina

    Liebe Tanja,

    die Zeit ist für alle schwer. Doch steckt auch immer etwas positives im negativen. Menschen müssen nun lernen in einer schnelllebigen Zeit 5 Schritte zurückzugehen und sich eventuell einmal über Dinge Gedanken zu machen, welche wirklich wichtig sind im Leben, was längst in Vergessenheit geraten ist.

    Hab einen schönen Sonntag.

    Tina

    • Die Glücksfinderin

      Hallo Tina,

      ich glaube, dass es genau die größte Herausforderung ist, die du da ansprichst: innezuhalten und in einer schnellen Welt langsam zu machen! Das ist wirklich schwer und ich übe mich darin täglich. Aber der Aufwand lohnt sich, da bin ich mir sicher!

      Bleib bitte gesund und sei lieb gegrüßt,
      Tanja

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